Weinbereitung – Einblick in die Kunst der Vinifikation

Die Weinbereitung beginnt mit der Auswahl gesunder Trauben und dem richtigen Timing der Lese. Dabei unterscheiden sich Rot- und Weißwein nicht nur in der Rebsorte, sondern insbesondere im Verfahren – von der Maische über die Gärung bis hin zur Reifung.



Die Weinbereitung

Traubenverarbeitung:

Sind die Trauben angekommen, vergehen meist ca. 2 Tage bis zur alkoholischen Gärung. In diesem kurzen Zeitraum müssen viele Maßnahmen ergriffen werden, die den fertigen Wein über Jahre beeinflussen. Verantwortung können, aber auch ein Gefühl zur Weinbereitung gehören dazu, um ein qualitativ hochwertiges Endprodukt zu erschaffen. Es müssen richtige Entscheidungen gefällt werden, um den bestmöglichen Wein zu keltern.
In den vergangenen Jahrzehnten hat die weitreichende Mechanische Verarbeitung begonnen und ist noch lang nicht zu Ende.



Oft werden die Betriebe weniger, aber dafür größer. Deshalb wird es weiter technische Innovationen geben, um größere Mengen schnell zu verarbeiten. Es wird daran gearbeitet, schnell große Mengen zu verarbeiten, um qualitativ gute (Mainstream) Weine zu bekommen. Der Nachteil durch diese mechanische Beanspruchung ist, dass die Weine schnell altern und andere negative Veränderungen haben. Es gibt aber noch Betriebe, die auf Maischegärung setzen und qualitativ hochwertige Weine produzieren.

Egal wie, eine rasche und schonende Verarbeitung ist wichtig.
Möglichkeiten der Trauben- bzw. Maischebehandlung.

Entrappen:
Unter Entrappen versteht man das Trennen der Beeren von den Stielen. Man sagt dazu auch Rebeln oder Abbeeren. Dies ist großer Diskussionsstoff. Grüne Stiele geben grasige Geschmacksstoffe und Gerbstoffe ab die unangenehm sein könnte, andererseits begünstigen diese den Saftablauf beim Pressen, wiederum kann die mechanische Belastung zu mehr trubstoff führen.
Abbeeren sollte man daher bei:


  • Maischegärung -unreifen Traubenmmaterial -Presssysteme mit starkem Abrieb
  • Maischestandzeit -verholzten Stielen -stielkrankem und faulen Lesegut
  • Maischestandzeit -Maischewaagen und Vollerntern.


Bei den Horizontalreblern kann heute meist die Drehzahl und Drehrichtung verstellbar sein. Somit könnte man besser auf die Traubenqualität eingehen.
Neben diesen traditionellen, weitverbreiteten Reblerbauarten, gibt es bereits neue Entwicklungen, die zugleich eine Sortierung mittels Walzenstuhl erlauben. Neben Förderbandreblern. bei denen die Beeren durch ein Fördergitter fallen, gibt es auch Ausführungen mit Rüttelstäben analog der Erntemaschine. Die neueste Entwicklung Schwingpendelrebler.

Maischen:
Hier werden die Beeren mit Quetschwalzen geöffnet, damit der Saft leichter austreten kann. Es ist vonnöten, die Walzen nicht zu knapp einzustellen, um eine Beschädigung der Kerne zu vermeiden. Das Quetschen sollte nach dem Entrappen stattfinden. Je nach Maschinentyp kann der Walzenstuhl weggeklappt werden, sodass wahlweise nur gerebelt und nicht gequetscht wird.

Dies bestimmt den Charakter des Endprodukts wesentlich mit und ist abhängig vom Gesundheitszustand und Reife der Trauben.

Maischegärung:
Maischegärung findet nicht mehr nur im Rotweinbereich statt, sondern auch im weißen Bereich. Speziell sind die sogenannten Orange-Weine.

Maischekühlung, Kaltmazeration:
Durch die Abkühlung der Maische auf 5 Grad und das längere Stehen lassen (mehrere Tage bei Rot) soll mehr Frucht im Wein erzielt werden. Das Problem ist die schlechte Mischbarkeit der Maische und dem Wunsch, diese auch möglichst wenig zu beanspruchen. Die Zugabe von Co2 in Form von Trockeneis, bereits in den Rebler und eine nachfolgende weitere Abkühlung mit flüssigem Co2 im Tank ist eine Methode mit geringer mechanischer Belastung. Nach der Standzeit muss die Maische wieder angewärmt werden.

Vorentsaftung:
Durch den freien Ablauf eines Saftanteils bis 50% aus dem Maischebottich wird die Pressenkapazität besser genutzt. Der Most muss nicht über die Presse laufen und ist damit weniger Oxidation ausgesetzt. Große Betriebe haben ihre eigenen Vorentsaftereinrichtungen. Diese Prozedur soll stets sehr kurz erfolgen, da es sonst in den Hohlräumen der Maische zum Wachstum von Mikroorganismen kommen kann.

Hitzebehandlung:
Kommt nur bei Rotweinmaischen zum Einsatz. Gründe dafür sind:
-Die Erhitzung zur Farbauslaugung, nachfolgendem sofortigen Pressen, Rückkühlen und Saftgären. DIe wird gemacht bei schadhaftem Material oder bei einer Verarbeitung großer Mengen.



Maischestandzeit:
Durch Standzeit werden verschiedene Sachen ermöglicht:
Auslaugen von Inhaltsstoffen. Dadurch wird der Gehalt von Extrakt, Farb- und Bukettstoffen erhöht. Es gelangen auch mehr Nährstoffe für die Hefe in den Most. Außerdem wird damit die Maische leichter Pressbar, da die Trauben eigenen Enzyme das Pektin besser Abbauen. Durch eine lange Standzeit, bei Trauben mit rötlicher Schale, wird die Farbe des Mostes/Weines auch Hochfärbig (Ruländer). Ideal geeignet für Sauvignon Blanc und Silvaner. Die Maische muss absolut gesund dafür sein.

Oxidationsschutz durch Co2:
Durch Verdrängen des Sauerstoffs aus der Maische kann einerseits die Oxidation verringert werden, andererseits wird die Schwefelung dadurch auch niedriger. Dafür werden mindestens 2g/l Co2 benötigt. Es kann auch durch den Einsatz des Kohlesäurenschnees die Maische heruntergekühlt werden. Aus Gründen der mikrobiologischen Sicherheit sollte auf eine komplette Schwefelung nicht verzichtet werden.

Schwefeln:
Die Maischebehandlung ist abhängig von deren Gesundheitszustand.
Der Zusatz von CO2 hat drei folgende Wirkungen:
- Der Sauerstoff wird abgebunden
- Wilde Hefen und Bakterien werden gehemmt
- Hemmt zu dem sehr aktiven Oxidationsenzyme

Ripasso Verfahren:
Im norditalienischen Veneto wird der Valpolicella Ripasso produziert. Das Ripassoverfahren heißt wörtlich übersetzt “erneuter Durchgang”. Hier werden die Jungweine auf den Trester des Amarone gegeben und eine zweite Gärung eingeleitet. Die Klassifizierung erfolgt als DOC.


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Mostgewinnung

Wie kommt der Most vom Weinberg ins Fass:

Hier beantworten wir die Fragen:

  • Mit welchen Geräten wird entsaftet
  • Wie ist der Pressvorgang
  • Welche Mostausbeute habe ich

Die Weinpresse und ihre Bauarten:
Es gibt verschiedene Arbeitsweisen:
halbkontinuierlich  - pneumatische Presse
kontinuierlich: - Schneckenpresse, Bandpresse und Dekanter
diskontinuierlich: - Presskorb ( stehend oder liegend), horizontal, vertikal
Druckerzeugung: - mechanisch, hydraulisch, Schwerkraft, pneumatisch (Über-/ Unterdruck)
Liegende Pressen sind heute Standard bzw. allgemein verbreitet. Der drehbare Korb aus Kunststoff, beschichtetem Stahl und nicht rostendem. Sie besitzen eine automatische Einrichtung zum Krümeln des Presskuchens. Durch Steuereinrichtungen wird der Pressvorgang weitgehend automatisch ablaufen.
Stehende Presskörbe findet ihr heutzutage, zumeist in kleineren Traditionsbetrieben.

Mechanische Horizontalpressen:
Diese Spindelpressen sind weitverbreitet, da sie relativ günstig sind. Es gibt verschiedene Versionen, mit z.B. einem oder zwei Presstellern, Außen- oder Innenspindel. Hohe mechanische Beanspruchung der Maische führt zu höheren Gerbstoffen und Trubanteil. Aus qualitativen Gründen ist deren Zeit heutzutage vorbei.

Hydraulische Horizontalpressen:
Im Vergleich zu Spindelpressen sind diese zwar leistungsfähiger, aber wegen des höheren Preises nicht mehr gefragt.

Pneumatische Horizontalpressen:
Es gibt verschiedene Modelle:
Pressen mit Membrananordnung:

  • in der Mitte des Presskorbes (Schlauchpresse)
  • an der Wand

Pressdruckerzeugung:

  • Überdruck auf der Mostablaufseite durch Vakkumpumpe
  • Unterdruck auf der Pressmembranseite durch Kompressor

Saftablauf:
Presskorb ist halboffen und geschlitzt:
- Most läuft über die Außenseite des Korbes
Presskorb ist geschlossen, hier die Neigung zu weniger Oxidation:
- Ablauf über die Stege in der Korbmitte (Willmespresse)
- Ablauf über Kanäle an der Innenseite der Wand (Tankpresse)
Die größeren Pressen werden meist als geschlossene Ausführungen gebaut. Dies verringert die Oxidationsmöglicheit des Mostes. Ein schönes Feature ist auch die mögliche Maischestandzeit in dieser Presse. Andere mögliche Features sind einerseits eine Inertgasüberübschichtung, um den Sauerstoff möglichst zu minimieren oder es gibt die Möglichkeit eines Kühlmantels, was ein Kühlhalten erlaubt. Dies vermeidet auch den Temperaturanstieg während einer Maischestandzeit in der Presse.
Der Presskorb steht während des Druckvorgangs stil. Hier wird die Filterwirkung des Maischekuchens ausgenützt. Zusammen mit den niedrigen drücken von 1,9 bar, ergibt sich eine gerbstoffarme und trubarme verarbeitung.

Die technik des Pressens:
Wer langsam presst, presst schneller oder wer schonend arbeitet, hat mehr vom Produkt.
Die Technik darin besteht darin, vorerst mit niedriger Druckstufe zu arbeiten. Dies gibt dem Most genügend Zeit, aus dem Maischekuchen herauszulaufen. Erst am Ende wird der Druck gesteigert.

Ganztraubenpressung:
Hier wird die Presse mit ungerebelten und nicht gequetschten Trauben befüllt. Hier ist die Aufnahmequalität niedriger, mit ca. 50 % - 70 % weniger. Es fällt so gut wie kein Seihmost an, dementsprechend ist die Pressmostfraktion größer. Der Gehalt an Gerbstoffen ist bei dieser Art von Pressung niedriger, genauso der Trubgehalt. Dies gleicht die geringere Ausbeute wieder aus.
Bei diesem Verfahren ist es wichtig, dass die ersten Mostfraktionen verschnitten werden, da sonst ein schlankes Geschmacksbild entstehen kann. Diese Weine sind möglicherweise etwas niedriger im extrakt und primärfruchtiger.

Maischepressung:
Eine Ausnutzung der Presskapazität kann bis zu 150 % sein, da der Seihmost beim Einfüllen bereits abläuft. Unterschiedliche Automatikprogramme erlauben eine Auswahl entsprechend der gewünschten Anforderungen. Beispiel dafür wäre Sektgrundwein oder Cremantprgramm.

Mostausbeute:
Es gibt verschieden Faktoren, wie viel Most man aus 100 kg Trauben bekommt:

  • Sorte
  • Jahrgang
  • Reife der Trauben
  • Technik beim Pressen

In der Regel sind es im Durchschnitt 75-80 Liter
In heißen Sommern, die dazu noch trocken sind, kommt es zu einem hohen Pektingehalt und schlechterer Pressbarkeit der Beeren. Dies könnte die Ausbeute auf 60 Liter senken.


Die Inhaltsstoffe des Mostes und deren Untersuchung

Der Most hat verschiedene Inhaltsstoffe. Diese gilt es, mit verschiedenen Bestimmungsmöglichkeiten zu bestimmen und zu untersuchen. Einfluss darauf haben Reifezustand, Witterung und die Rebsorte selbst.
Es gibt:
- Wasser                                                                - Kohlenhydrate
- Säuren                                                                - Mineralstoffe
- Stickstoffverbindungen                                   - Polyphenole wie Gerbstoffe und Farbstoffe

Wasser:
Hauptkomponente und Lösungsmittel für alle anderen Stoffe. Bei Überreife wesentlich weniger durch Verdunstung.

Kohlenhydrate:
Diese sind sehr wichtig, sie sind der Gerüststoff der Zellwände und der chemische Energiespeicher der Pflanzen. Die einfachste Form davon ist Zucker (Saccharide). Wenn diese aus einer Einheit bestehen, nennt man Sie Monosaccharid und aus zwei Einheiten Disaccharid.
Mehrere Monosaccharide nennt man Oligo- oder Polysaccharid. Für die Gärung sind drei Zucker von Bedeutung: Glucose, Fructose und Saccharose.


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Glucose, Traubenzucker, Dextrose:
Dieser Monosaccharid wird in den Traube als erster gebildet. Einfachzucker, da nur aus einem Molekül.

Fructose, Fruchtzucker:
Wird bei der Traubenreife erst später aufgebaut und ist der süßeste natürliche Zucker.

Saccharose:
Saccharose besteht aus Glucose und Fructose und ist ein Disaccharid. Kann in geringen Mengen in der Beere vorkommen. Durch fruchteigene Säure oder durch das Enzym Invertase, dass aus der Hefe stammt, wird Saccharose in Glucose und Fructose aufgespalten. Diese Reaktion wird Inversion genannt.

Unvergärbare Zucker:
Diese Zucker müssen bei der Zuckerbestimmung berücksichtigt werden. Diese werden von der Hefe nicht verwertet. Sie bestehen aus Pentosen, also 5 Kohlenstoffatomen.

Stickstoffverbindungen:
Im Wesentlichen Verbindungen aus Eiweiß, Aminosäuren und Ammonium. Als wichtiger Nährstoff für die Hefe schwankt dieser zwischen 0,2 und 1,4gl, reicht aber aus, um eine Gärung zu gewährleisten. Vorläufer sind freie Aminosäure, die zur Entstehung des Gärbuquetts beisteuern bzw. eine Bedeutung haben.
Der Schimmelpilz Botrytis cinerea benötigt Aminosäuren für den eigenen Stoffwechsel und kann dadurch den Stickstoffgehalt wesentlich vermindern oder sogar ganz unterbinden.

Enzyme:
Diese sind ebenfalls Eiweißstoffe/Proteine, die die Stoffwechselvorgänge katalysieren und steuern. Ist bei Pflanzen so wie auch bei Lebewesen. Vom Einsatzzweck abhängig, sind diese in eigene Nomenklaturen eingeteilt.

Pektinasen:
Pektinasen spalten die polymere Struktur des Pektins und erniedrigen dadurch die Viskosität des Mostes. Dies führt zu einer besseren Klärung und einer leichteren Filtrierbarkeit.

Oxidasen:
Oxidasen bewirken die Übertragung von Elektronen bzw. Wasserstoff vom Substrat auf Sauerstoff. Dadurch entsteht neben dem oxidierten Substrat Wasser oder Wasserstoffperoxid. Vor allem die Phenoloxidasen sind für das Braunwerden verantwortlich.

Glycosidasen:
Aromen sowie Polyphenole sind teilweise gebunden an Zucker. Macht sie zwar stabil, aber sensorisch unwirksam. Erst durch die Aufspaltung der Bindung, die durch Enzyme oder die Säuren im Wein erfolgen kann, werden wichtige Aromen für Most  bzw. Wein freigesetzt.



Polyphenole:
Unter der Bezeichnung Gerb- und Farbstoffe werden die phenolischen Inhaltsstoffe gern zusammengefasst. Diese Stoffgruppe umfasst ca. 8000 Verbindungen und lässt sich aufgrund der Reaktionsweisen in ganze fünf Klassen aufteilen:
Phenolcarbonsäure Flavanole Flavan-3-ole Flavanoide Anthocyanidine

Aromastoffe:
Das sind die Geruchs- und Geschmacksstoffe des Weines bzw. Mostes. Also das Bukett.
Zu Geruchsstoffen zählen leicht flüchtige Substanzen wie Alkohole, Ester. Geschmacksstoffe sind nicht- oder schwerflüchtige Verbindungen wie Zucker, organische Säuren, phenolische Verbindungen.

Man unterscheidet:
Primärbukett - Traubenaromastoffe
Sekundärbukett - Aromastoffe durch die Gärung
Tertiärbukett - Veränderung durch Lagerung
Diese Stoffe sind luftempfindlich und werden durch Pilzbefall auf der Beere verändert.

Mostuntersuchung:
Jeder Winzer muss in der Lage sein, die einfachsten Untersuchungen selbst durchführen zu können.

Bestimmung des Zuckergehaltes:
Der Zucker wird durch das Gewicht, anhand der Dichte, bestimmt.
Bestimmung mit einem Refraktometer:

Das Prinzip ist folgendes: Flüssigkeiten, die eine unterschiedliche Dichte besitzen, haben auch eine unterschiedliche Lichtbrechung. Das Licht wird um so stärker zum Lot gebrochen, je zuckerreicher, also dichter die Flüssigkeit ist. Die Ablesung erfolgt an der Licht - Schattengrenze. Moderne Geräte berücksichtigen die Temperatur.
Bestimmung mit der Mostwaage: Spindel/Senkwaage/Aräometer
Das Prinzip ist folgendes: Je geringer die Dichte, desto tiefer taucht die Spindel/Mostwage ein.
Bei der Mostwaage ist Folgendes zu beachten:
Sie muss sauber und trocken sein
Most klar und hat noch nicht angefangen zu gären
Mosttemperatur muss mit der Eichtemperatur der Waage übereinstimmen
Sie muss frei schweben
Das Auge muss die gleiche Höhe haben wie der Flüssigkeitsspiegel.



Bestimmung der Säure:
Hauptsächlich befinden sich im Most Wein- und Apfelsäure. Aber auch andere in ganz geringen Mengen viele andere Säuren. Es wird immer der Gesamtsäuregehalt bestimmt. Die Tritierbare Säure wird in Promille angegeben. Die Bestimmung mit einem Wein- und Mostsäuremesser ist sehr ungenau und daher weniger zu empfehlen.
Wir bestimmen die Säure mit einer Bürette oder Messpipette.
Dafür brauchen wir einen Erlenmeyerkolben mit 100ml (Foto), Vollpipette 10ml, Bürette oder Messpipette 10ml und 2/15n Blaulauge.
Mit der Pipette wird 10ml Most in den Erlenmeyerkolben gefüllt. Aus der Messpipette oder Bürette lässt man die Lauge zufließen, bis der Umschlagpunkt erreicht ist. Den Verbrauch der Blaulauge liest man auf 0,1ml genau ab, dies ist zugleich der Säuregehalt. Bei rotem Most oder Wein ist der Umschlagpunkt nicht gleich zu erkennen. Mit einem PH-Meter oder einem Indikatorpapier kann die bestimmung der Säure erleichtern.


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Die Mostbehandlung

Zwischen Lese und Gärung hat man nur kurze Zeit, wichtige Schritte zu planen. Diese entscheiden über die Typizität des Weines. Die Mostbehandlung gehört hier dazu.


Es gibt:

Lüften, Schwefeln, Betonit, Entschleimung, Aktivkohle, Anreicherung Entsäuerung und Säuerung Enzymbehandlung Gerbstoffbehandlung

Das Lüften:
Begünstigt die Vermehrung der Hefe und damit natürlich die Gärung. Erhöht aber auch den Einfluss von Mikroorganismen wie Esseigbakterien und man hat die Gefahr, dass der Most Fehltöne bekommt.
Zu empfehlen ist diese Behandlung bei: - Überschwefeltem Most
Stark gefaultem Lesegut       Weißpressen blauer Trauen (herabsetzen des Gerbstoffanteils bei pos. 2 und 3)

Das Schwefeln:
Die Maische sollte grundsätzlich geschwefelt werden. Je weniger desto besser. Es gibt auch Anhänger von ungeschwefelten Weinen. Trotz der Gerbstoffauslaugung können auch negative mikrobiologische  und oxidative Entwicklungen frühzeitig hintangehalten werden. Im Most befindet sich dann bereits eine Menge von ca 20-25g freier So2. Eine weiter Mostschwefelung mit 10-20g/hl ist nur nötig, wenn das Lesewetter warm und das Lesegut faul war oder wenn der Most länger steht.

Bentonit:
Mit dieser Methode wird das thermolabile Eiweiß aus dem Most bzw. Wein entfernt. Je früher die Behandlung, desto weniger belastend ist sie.
Die Vorteile sind Besseres Absetzen beim Entschleimen, zugleich einfache Entfernung, Reintönigere Weine, weniger Bräunungsneigung, ruhigere und schaumfreiere Gärung.
Es gibt aber auch Nachteile: höhere Aufwandsmenge (bei der Gärung fällt Eiweiß aus), Mögliche Nährstoffverringerung (Aminosäure), Schwierige Bestimmung der notwendigen Mente.
Näheres hierzu: Linkpage
Die Dosierung liegt üblicherweise bei 150 - 200 g/hl. Die erlaubte Höchstmenge ist 400g/hl und bei Prädikatsweinen 500g/hl. Diese sollte aber nicht ausgeschöpft werden. Sonst wäre eine Nachschönung eventuell erforderlich. Diese kann Nebenprodukte entfernen, die möglicherweise gebildet wurden.
Spezieller Mostbetonit ist bereits gebrauchsfertig und muss nicht vorgequollen werden, nur ist gutes Durchmischen wichtig. Die Entfernung erfolgt beim Entschleimen. Ein mitgären des Bentonits und das Abtrennen beim ersten Abzug ist zwar möglich, aber nicht sinnvoll. Werden Enzyme eingesetzt, darf erst nach der Einwirkzeit von 2-4 Stunden die Bentonitschönung vorgenommen werden. Die Enzymwirkung wäre sonst dadurch beendet.

Die Entschleimung:
Die Entschleimung, auch Vorklärung genannt, gehört zu den wichtigsten Schritten, um saubere und reintönige Weine zu erhalten. Der Most, der direkt von der Presse kommt, enthält noch viele unerwünschte Fremdstoffe. Traubenkerne, Schalen, Fruchtfleisch, Erde, Spritzmittelreste etc. gehören zum Beispiel dazu. Wir möchten diese vor der Gärung entfernen um eine nachteilige Wirkung zu vermeiden. Dies ist auch unbedingt notwendig bei gefaultem Lesegut oder wenn das Lesegut verschmutzt ist.
Mögliche folgen wenn keine Entschleimung stattfindet:
Im Most, heftige Gärung, Aromaverlust, vermehrte Böckserbildung bzw. im Wein, unsauberer Geschmack, hoher Gerbstoffgehalt, Hochfärbigkeit, rasche Alterung, schlechtere Filtrierbarkeit, Rückstände von Spritzmitteln.
Die Empfohlene senkung des Resttrubgehaltes liegt heutzutage bei höchstens 0,6% Gewichtsprozent, ab 1% sind bereits unsaubere Töne bemerkbar.
Durch die Verringerung der Trubstoffe und der Keimzahl werden außerdem die Vurraussetzungen für eine Gärung geschaffen. Die Entfernung kann dirkontinuierlich oder kontinuirlich sein.

Diskuntinuierlich:
Darunter versteht man das Absetzenlassen der Trubstoffe in einem Bottich oder Tank und das spätere Abziehen des geklärten Mostes. Der darf jedoch noch nicht gären !!!! Die Klärwirkung ist von der Standzeit abhängig, zumeist lässt man über nacht stehen.
Dauer in Stunden: Auswirkung:
3-4 Nur grobe Klärung, die Gärung ist
dadurch nur wenig beeinflusst.
8-10 Gute Klärung, langsamere Gärung, reintönige Weine
12-24 Sehr blanke Moste, sehr ruhige Gärung
Je blanker der Most ist, desto ruhiger gärt er. Je nach Behälter besteht die Gefahr des zu starken Auskühlens und damit möglicherweise eine unerwünschte Gärstockung und verbleibender Restzucker. Eine genaue Temperaturkontrolle bei der Gärung ist daher wichtig.

Konitnuierlich:
Vorklärung durch einen Seperator:
In Großbetrieben steht oft weder genügend Behälterkapazität noch die Zeit zu Verfügung um langes Absetzen zu gewährleisten. Durch Fliehkraft, wird beim Seperator oder der Zentrifuge, der Trub getrennt. Es kann aber zu einem höheren Teil an Feintrub kommen.
Flotation (diskontinuierlich oder kontinuierlich)
Diese Verfahren wird bei Großbetrieben mit weniger, schonender Verarbeitung genutzt. Hier kann auch Gleichzeitig die Gerbstoffbehandlung durch belüften und der Zugabe von Mostgelatine erfolgen. Dem Most wird im Durchfluss unter Druck gesetzt. Dies geschiet mit Gas (Stickstoff oder Luft). Bei der Druckentlastung bilden sich kleinste Bläschen, die an den Trubteilen haften und mit diesen nach oben schwimmen. Die Dosierung von Gas und Schönungsmitteln erfodert wirklich Erfahrung. Bei kontinuierlichen Verfahren wird der Schaum permanent abgeschöpft oder der klare Most wird im Reaktionsbehälter abgelassen. Dieser ist nach ½ bis 2 Stunden klar. Die weiterverarbeitung ist also wesentlich schneller.

Die Anreicherung:
Die Erhöhung des natürlichen Alkoholgehalts kann von den Mitgliedsstaaten der EU zugelassen werden. Wenn es die Witterungsverhältnisse erforderlich machen. In den Rechtstexten wird von Anreicherung bzw. Alkoholerhöhung gesprochen. Angaben erfolgen in %, wobei vier verschiedene Alkoholangaben zu unterscheiden sind:
Vorhandener Alkoholgehalt: der tatsächliche im Most bzw. Wein vorhandene Alk.
Potenzieller Alkoholgehalt: der noch vorhandene Zuckergehalt, in Alkohol, wenn vollständig vergoren würde
Gesamtalkoholgehalt:  vorhandener und potentieller Alkoholgehalt zusammen
Natürlicher Alkoholgehalt: Gesamtalkoholgehalt vor jeglicher Anreicherung.

Mostkonzentration:
Most für Tafelwein, Land- und Qualitätswein darf auch durch teilweise Konzentrierung angereichert werden. Die zulässigen Verfahren sind Vakuumdestillation, Umkehrosmose und Kältewirkung. Bei der Konzentrierung darf Max 2 Vol% angereichert werden und max 20% des Volumens entzogen.
Zu dem gibt es erlaubte Anreicherungsverfahren wie eine Kombination von Zucker und Mostkonzentrat oder Konzentrierung. Dies ist nur erlaubt, wenn für das Konzentrat keine Unterstützung gezahlt wurde. Dann darf nur eine Methode angewendet werden. Die Anreicherung hat auf einmal und bis zum 16. März des folge Jahres zu erfolgen.
Das Rektifizierte Traubenmostkonzentrat, auch RTK genannt, wird aus Traubenmost hergestellt. Dem Most werden Wasser, Säure und alle anderen aromen wirksamen Stoffe weitgehend entzogen und ist im wesentlichen eine konzentrierte Zuckerlösung. Die Herkunft ist nicht an ein Weinbaugebiet gebunden.
Zucker und Konzentrat in Teilmengen im Most auflösen. Es ist zu beachten, dass der Zucker nie ohne Auflösen in den Gärbehälter gegeben wird, da dieser sich sonst absetzt, durch den Trub zugedeckt und somit für die Gärung verloren geht.
Die Berechnung mit Anreicherung mit Zucker ist wie folgt:
Pro Grad Oechsle 0,25kg / hl ODER
pro Grad KMW 1,3 kg / hl
Methoden sind die Einmalzugabe oder die stufenweise Zugabe, die auch Gestaffelte Zuckerung genannt wird. Diese hat den Vorteil einer ruhigen Gärung mit weniger Bukettverlust. Dafür hat die Einmalzugabe den Vorteil, dass sich die Hefe nur einmal auf die Zuckerverhältnisse einstellen muss. Nachteile sind nur bei der stufenweisen Zugabe und zwar das Steckenbleibens der Gärung, wenn die Zugabe zu spät erfolgt.
Durch jede Anreicherung verliert man das Recht auf die Bezeichnung Kabinett oder Prädikatsweine wie Spätlese, Auslese, Beerenausles BA, Trockenbeerenauslese TBA oder Eiswein. Zu dem ist nach der Anreicherung eine korrekte Zuckerbestimmung nicht mehr möglich. Zu starkes anreichern führt zu brandigen und fehlerhaften Weinen.
Genaue Berechnung und Beispiele findet ihr in dem Buch Kellerwirtschaft von Robert Steidl: Link


Aktivkohle:
Kohle nimmt Geruchs- Farb- und Geschmacksstoffe auf und ist damit ein Absorptionsmittel. Bei faulem Traubenmaterial kann diese Behandlung  zielführend sein, um Faultöne auszuschließen bzw. zu vermeiden. Sie kann auch gegen Frostgeschmack und Hochfärbigkeit  eingesetzt werden. Kohle hat eine sehr starke Wirkung und sollte als letztes Mittel eingesetzt werden.

Vorteile:

- Entfernung der Fehltöne, frühzeitig
- Da sich noch keine Gäraromen gebildet haben, können diese auch nicht beinträchtigt werden
- Feine Poren der Kohle in der immer ein wenig Luft ist, kommt es zur leichten Oxidation und der Most verkraftet diese Schönung leichter

Nachteile:

- Aufgrund der Mosttrübung wirkt die Kohle nicht so gut wie bei blankem Wein daher:
Starke Kohleschönung im Most wirkt nicht so belastend wie eine geringere Kohleschönung im Wein.
Die zugelassene Menge ist 100g/hl
Pro % der Fäulnis rechnet man 1g/hl Kohlezusatz.
-Lesegut stark gefault: 20-60g/hl
Lesegut Teilweise gefoult 60-100g/hl

Die Durchführung:
Die Kohle wird gewaschen. Die Kohle (dickbreiig) wird dann in den Most eingerührt und beim Entschleimen wieder entfernt. Die Kohle nicht mitgären !!
Sonst werden die absorbierten Stoffe wieder abgegeben.
Entsäuerung und Säuerung:
Mostentsäuerung:
Neben Entschleimung und Anreicherung ist die Mostensäuerung eine wichtige Maßnahme um die Qualität zu beeinflussen. Dies geschieht in sauren Jahren. Auch wenn ein Most mit viel Säure eine reintönigere Gärung gewährleistet, so kann man ab ca. 12g / leine Säureminderung vornehmen.

Vorteile:
- Durch den frühen Zeitpunkt eine geringe geschmackliche Belastung
- Die Säuren werden im Wein runder, da Kalium im Wein verbleibt.
- Kein Zeitverlust, wenn der Wein rasch benötigt wird

Nachteile:
- Begünstigung eines biologischen Säureabbaus
- Das mikrobiologische Risiko von Fehlaromen kann steigen
- Die Möglichkeit einer Farbänderung im roten Most

Man darf folgende Sachen verwenden:
- Kaliumhydrogencarbonat / Kaliumbicarbonat
- Zur Doppelentsäuerung in geringen Mengen Ca-Doppelsalz der Wein- und Apfelsäure versetzeter kohlensaurer Kalk
- Reiner kohlensaurer Kalk (Calciumcarbonat)
Moste werden auf höchstens 9-10g/l entsäuert.
Man muss eine Doppelentsäuerung vornehmen wenn bei einem sehr hohen Säuregehalt eine ausreichende Kalksäuerung zu niedrig ist.

Mostesäuerung:
In der Weinbauzone B ist die Säuerung von Most und Wein verboten. Wenn allerdings außergewöhnliche Witterungsbedingungen herrschen, können Mitgliedsstaaten der EU die Säuerung von Most und Wein zulassen.

Vorteile:
Absenken des PH-Wertes, dadurch größere mikrobiologische Sicherheit.

Nachteile:
Bei zu hoher Dosierung wird die Weinentwicklung langsamer.
Die maximale zulässige Säuerung beträgt 1,5 g/l Most. Man verwendet folgende Produkte: L (+) - Weinsäure, Milchsäure, DL-Apfelsäure, L-Apfelsäure.
Die Mostsäuerung dient grundsätzlich zur Herstellung einer besseren mikrobiologischen Sicherheit, nicht das Ziel ist die sensorische Beeinflussung. Üblicherweise wird Weinsäure zur Säuerung verwendet.

Enzymbehandlung:
Der Pektingehalt kann in Trockenjahren sehr hoch sein. Folglich ist die Maische schlecht pressbar und die Moste setzen sich beim Entschleimen schlecht ab oder auch gar nicht. Sofern nicht bereits der Maische pektolytische Enzyme zugesetzt wurden, kann dies Zugabe noch beim Most erfolgen.

Vorteile der pektolytischen Enzyme:
- Die Gärung ist ruhiger
- bessere Filtrierbarkeit
- die Maischestandzeit ist kürzer
- leichteres Pressen der Maische
- größere Mostausbeute
- besseres Absetzen
- evtl. bessere Farbstoffausbeute bei Rotwein

Nachteile:
- Temperaturabhöngikeit der Wirksamkeit (mind. 10 Grad Celsius)
- Die Möglichkeit von Bittertöne im Wein bei starker Auslaugung
- Die Standzeit vor einer Bentonitbehandlung beträgt mindestens 2 Stunden
Gerbstoffbehandlung:
Bei einer Maischestandzeit wie auch bei einer wenig schonenden Verarbeitung kommt es bereits im Most zu hoher Gerbstoffbelastung. Dies führt später zu harten und uneleganten Weinen. In diesen Fällen kann eine Behandlung mit gerbstofffällenden bzw. -absobierenden Mitteln wie Kasein, Mostgelatine, PVPP, die zum Teil auch als Mischpräparate angeboten werden, von Nutzen sein. Die Einsatzmenge hängt, je nach Präparat, von der Herstellerempfehlung ab. Bei Mostgelatine liegt die Einsatzmenge bei 50-200 ml/hl Maische oder Most.

Durchführung:
Gründlich eingerührt wird das Mittel direkt zugegeben und mit dem Entschleimen entfernt.
Weitere mögliche bzw. notwendige Maßnahmen der Mostbehandlung sind:
-Zugabe durch Reinzuchthefen und eventuell Hefenährsalzen
- Verschnitt mit Wein oder Most
-Temperieren des Mostes auf Gärtempratur (Erhitzen, Kühlen), was aber den Geschmack beeinflusst.
-Erhitzen zum Haltbarmachen


Die alkoholische Gärung

Nach der Erfindung des Mikroskops im 17. Jahrhundert hat man mit Studien an Essig und Wein begonnen. Erstmals wurde 1789 festgestellt, das sich bei der Gärung Zucker in Ethanol und Co2 verwandelt. Hier wird durch die Hefe der Zucker umgewandelt und Gäraromen werden freigesetzt. Das Gärbukett ist entstanden.


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Chemismus der Gärung:
Bei der Gärung entsteht Kohlendioxid und CO2. Dieses Gas ist farb- und geruchlos, löst sich im Wein und Wasser und ist zudem schwerer als Luft. Dadurch kann es sich in tief liegenden Kellern ansammeln, die keinen Abzug besitzen. Dies führt zu einer Ansammlung und Verdrängung  des Sauerstoffes und damit zum Erstickungstod. Dieses bleibt nicht nur in Bodennähe, sondern kann sich im ganzen Gärraum verteilen. Bei hohen Tanks kann gerade in Deckennähe eine hohe Konzentration vorhanden sein. Durch einen Luftzug kann das Gas auch in Räume gelangen, wo sonst keine Gärung stattfindet.
Wo das Abfließen bei ebenerdigen Kellern nicht möglich ist, wird ein leistungsfähiger Exhauster eingesetzt.
Der Ablauf der Gärung führt über zahlreiche Zwischenschritte zu den Gärungsnebenprodukten Acetaldehyd und Brenztraubensäure und dann zu Alkohol.

Hefe:
Hefen kommen zum größten Teil von den Traubenbeeren. Diese vermehren sich an Stellen, wo Sie mit dem Saft in Kontakt kommen können. Feine Risse, Fruchtpolster der Beerenstiele und Wunden sind solche Stellen. Auf eine Beere kommen +/- 8 Millionen Hefezellen und auf aufgesprungenen Beeren sogar fast 40-mal soviel. Auch der Weingartenboden ist solch eine Infektionsquelle. In oberen Regionen finden 5-mal weniger Zellen wie auf tiefhängenden Trauben. Die wichtigste Vermehrungszone ist die Weinpresse, die Keimzahl ist bis zu 100 mal höher. Durch Sprossung vermehren sich die Hefen bei der Weinbereitung unter vorherrschenden Bedingungen. Dieser Vorgang kann bis zu 35 mal stattfinden. Zurück bleibt aber eine Sprossnarbe auf der Hefeoberfläche die wenig Stoffwechseltätigkeit vollführen kann.
Hefen sind Pilze von einzelliger Natur, aber mit verschiedenen Zell- und Vermehrungsformen. Verwendet man die Bezeichnung bei der alkoholischen Gärung. so ist die Gattung Saccharomyces und deren Arten gemeint..
Aus dem Weingarten kommen nur 1-3 % der erwünschten Hefen. Zumeist 16 verschiedene Hefestämme von denen aber nur 5 vollständig durchgaren.

Es gibt unterschiede nach Gärleistung und Aussehen:
Es gibt stark gärende Hefen. Diese Bilden viel Alkohol und viele positive Nebenprodukte. Sie werden als echte Weinhefen bezeichnet und gehören der Art Saccaromyces cerevisiae an. Vertreten nur in geringer Zahl bei beginn der Gärung.
Schwach gärende Weinhefen sind von Natur Aus nur schwach im Most vorhanden und werden als wilde Weinhefen bezeichnet. Anfänglich um den faktor 1000 zahlreicher als Saccamoryces cerevisiae und beginnen die Gärung. Zu den Hauptvertretern gehören Kloeckera apiculata (Apiculatushefen), Candida und Metschnikowia-Arten. Diese werden ab einem Alkoholgehalt von 3-4 % VOL gehemmt. Dann führen die Saccharomyceten die Gärung fort.
Kahmhefen sind sauerstoffbedürftig und weinschädlich. Diese vermehren sich gern auf der Oberfläche von Weinen mit niedrigem Alkoholgehalt.
Sporadisch vorkommende Hefen haben keine Bedeutung.
Heutzutage werden Reinzuchthefen verwendet. Sie bringen folgende Gewünschte Eigenschaften mit:
- Schnelles Angären und problemloses Durchgaren
- Farbschonung bei Rotwein
- Gute Alkoholausbeute
- Gärung im weiten Temperaturbereich
- Keine So2 - Bildung, dies ist wichtig für den BSA
- Geringe Schaumbildung
- Keine oder möglichst wenig Nebenprodukte
- Alkoholverträglichkeit (Sekthefen)
- Zuckerverträglichkeit bei Prädikatsweinen
- Keine Bildung von Mannane oder Glucane (filtrationsstörende Stoffe)
- Rasches Absetzen nach der Gärung
- Grundsätzlich keine Beeinflussung des Sorten- oder Lagentyps.

Arten der Gärung:
Um die Gärung zu beginnen, benötigt man 107 Zellen/ml. Die wichtigsten Infektionsquellen sind Pressen und Geräte, durch diese werden die im Most natürlich vorkommende Zellen von 10-100 Zellen/ml auf das 10 bis 100-Fache angehoben. Pro 100g Beeren sind 2,7-124 Millionen Hefezellen. Beeinflusst je nach Witterung, Spritzmittel, Sorten und Verarbeitung.
Um auf die notwendige Hefezellzahl zu kommen gibt es zwei Möglichkeiten:
Die Spontangärung:
Charakteristika:
-höherer Glyceringehalt -möglicherweise mehr flüchtige Säure
-möglicherweise mehr So2 Bedarf    -möglicherweise verbleibender Zuckerrest (Steckenbleiben)
Neben der klassischen Spontangärung gibt es noch andere Varianten. Zum Beispiel die “Pied de Cuve”. Bei ihr werden vor der Hauptlese bereits kleine Mengen Most zur Gärung gebracht und dann zur großen Menge dazugegeben. Oder es wird nach dem spontanen angären Reinzuchthefen dazugegeben, um das Durchgären sicherzustellen. Es gibt auch reingezüchtete wilde Hefen. Mit ihnen kann man das Angären kontrolliert bewerkstelligen, außerdem vertragen diese höhere Alkoholgehalte.

Die Vergärung mit Reinzuchthefe:
Mit dieser Form sorgt man für eine ausreichende Zellzahl von Beginn an. Die Zugabe von selektionierten Trockenreinzuchthefen unterbindet auch weitgehend die Fehlgärung. Unbedingt notwendig bzw. sehr günstig ist ein Reinhefezusatz bei:
- Umgärung und Versektung
- Sehr tiefen Temperaturen
- Sehr zuckerreichen Mosten
- Most aus gefaultem Traubenmaterial
- Gärhemmung durch Toxine wie Fungizide oder Killerfaktoren
- Pasteurisiertem Most
Die reinzuchthefe werden exakt bei 38 Grad mit der 5-10-Fachen Menge an Wasser ca. 10-15 Minuten vorgequollen. Danach wird Most zugesetzt und schrittweise die Temperatur gesenkt um einen Temperaturschock zu vermeiden. Nachdem deutlich eine Schaumbildung zu erkennen ist wird die Hefe dem zu vergärenden Most zugesetzt. Nicht zu lange warten. Die Hefe darf nicht in die Hungerphase kommen.

Gärungseinflüsse:
Temperatur:
Bei den meisten Problemen mit der Gärung hat die Temperatur eine tragende Rolle. Sie ist daher der wichtigste Faktor. Optimal für die Gärung und Vermehrung der Hefe beträgt 25 Grad Celsius.
Größere Abweichungen hemmen diesen Stoffwechsel. Es gilt auch zu vermeiden, die Hefe in Hefestress zu versetzen, indem man die Temperatur zu schnell ändert. Maximal 4 Grad C pro Stunde. Ein anderer wichtiger Faktor ist das Behältervolumen.
Je Größer der Behälter > desto Stärker erwärmt sich der Most > desto niedriger muss die Anstelltemperatur gewählt werden.
Bei 13 Grad C in Holzfässern gemessen:
600l -> 10-22 Grad Celsius
1200l -> 21-25 Grad Celsius
4000l -> bis 30 Grad Celsius
7200l -> bis 33 Grad Celsius

Beim Versieden kann es zum plötzlichen Abbruch der Gärung kommen. Dies geschieht bei hohen Temperaturen von ca. 35-37 Grad.
Beim Kaltvergären haben wir einen Temperaturbereich von 12-15 Grad Celsius. Hierfür benötigen wir aber Kaltgärhefen für die Gärung.

Vorteile der Kaltgärung:
Jungweine sind reintöniger, Essigsäure- und Milchsäurebakterien aber auch verschiedene Hefen können sich nicht bei tiefen Temperaturen vermehren. Es wird ein bakterieller Säureabbau verhindert und die Weine werden Bukettreicher.

Nachteile der Kaltgärung:
Bei langsamen Gären wird der So2 - Bedarf höher. Außerdem sind für die Kühlungseinrichtung höhere Kosten notwendig.
Abhängig von der Gärtemperatur werden auch verschiedene Nebenprodukte erzeugt:
Bei hohen Gärtemperaturen >23 Grad Celsius:
Höhere Gehalte an Glycerin, Restextrakt, Ethyllactat, Milchsäure, flüchtige Säure, Pyruvat, Ketoglutarsäure, gebundene So2.
Bei niedrigeren Temperaturen < 23 Grad Celsius:
Höhere Gehalte an Gesamtalkohol. Gesamtsäure, Apfelsäure, Polyphenolen, Gesamtester.



Zuckerkonzentration:
Hohe Graduationen sind aufgrund des höheren Druckes nur schwer zu vergären, leichter haben es Moste mit geringem Zuckergehalt. Bei hohen Graduationen besitzt der Most eine stark wasserentziehende Wirkung auf die Hefezellen. Nimmt der Wassergehalt der Hefe ab, vermehrt sich auch die Hefe langsamer. Bei Prädikatsweinen ist dies von Bedeutung, denn diese müssen osmotolerant sein und daher eine große Zuckerkonzentration ertragen können.

Alkoholgehalt:
Sehr alkoholtolerant sind im Allgemeinen die stark gärenden Saccharomyceshefen. Selbst bei 12-13 Vol%Alkohol vermehren sich diese noch. Haben aber eine Ethanol Obergrenze von 15-16 Vol%.  Die hemmende Wirkung von Ethanol und Gärung macht man sich bei der Herstellung von Süßweinen(Port und Sherry) zunutze. Dabei wird beim erwünschten Restzucker die Gärung durch den Zusatz von Weinalkohol auf 16%-18 %  aufgespritet und daher unterbrochen.

Schwefelige Säure:
Die schwefelige Säure wirkt sich hemmend auf die Hefevermehrung aus, durch diese Anwendung werden wilde Hefen und Bakterien unterdrückt. Saccharomycen-Hefen werden beinträchtigt. Der Beginn der Gärung wird beeinflusst, aber nicht der Gärverlauf.
Größere Abweichungen hemmen diesen Stoffwechsel. Es gilt auch zu vermeiden, die Hefe in Hefestress zu versetzen, indem man die Temperatur zu schnell ändert. Maximal 4 Grad C pro Stunde. Ein anderer wichtiger Faktor ist das Behältervolumen.

Trubgehalt:
Trubteilchen unterstützen die Entbindung von CO2 dies führt zu einer starken Durchmischung und weiteren Ankurbelung einer heftigen Gärung. Im Sinne einer ruhigen Gärung soll der Mosttrub abgetrennt werden (unter 0,6 Vol. %)

Wird der Most entschleimt, gärt dieser langsamer, gleichmäßiger und erwärmt nicht so stark. Die Ausbeute von Alkohol- und Aromaausbeute ist höher, bei einer sehr langsamen Gärung.
Andere Störende Stoffe:
Hoher Gehalt von Metall, der von blanken Oberflächen wie Eisen, Kupfer, Messing und Zink stammt, spielt bei der Vergärung üblicherweise keine tragende Rolle. Bei einer zweiten Gärung kann sich dies aber hemmend auswirken. Dafür sorgen Rückstände von Pflanzenrückstände zu einer stark verzögerten Gärung.

Maßnahmen zur Gärlenkung:
Gärfördernde Maßnahmen:
Gärkräftige Hefen in ausreichender Zellzahl sind wichtig.
- Eine Most belüftung unterstützt die Vermehrung und die Gärkraft
- Die Start- und Gärtemperatur sind die wichtigsten Parameter. Start bei 18 Grad C
- Einsatz von Reinhefe
- zugelassene Behandlungsmittel
- Aufrühren der Hefe

Gärhemmende Maßnahmen:
- Niedrige Temperatur
- Verminderung der inneren Oberfläche
- Sehr scharfe Vorklärung des Mostes (stark Entschleimung)
- Einwirkung von Kohlendioxid durch Vergären unter druck
- Etappenweises Anfüllen des Gärbehölters. Es entsteht immer wieder Abkühlung und eine größere Böcksergefahr.

Beheben einer Gärstockung:
Gründe für die Gärstockung sind chemisch, mikrobiologisch oder physikalisch. Eine viel zu geringe Temperatur ist die Ursache. Bevor Maßnahmen zum Einsatz kommen um dies zu beheben, sollte man Temperatur, Alkohol-, sowie Zuckergehalt messen. Ebenfalls den Hefezustand. Bei einem Restzucker von unter 10g und einem Alkoholgehalt von 12 Vol % wird es schwierig, die Gärung nochmals in Gang zu bringen. Wenn die Temperatur mittels eines Mostwärmer keine Gärung mehr erfolgt, muss der Jungwein zuerst vom Lager getrennt werden. Somit werden mögliche Hemmstoffe entfernt. Dann wird dieser auf eine gute Starttemperatur gebracht (22 Grad) und eine Reinzuchthefe, die man entsprechend vorgezüchtet hat, mit Maximaldosierung eingesetzt. Impfung ist 10% der Gesamtmenge des gut gärenden Mostes. Wichtig ist auch, dass die Temperatur dieses Mostes bei der Zugabe der im Behälter entspricht. Wenn dies nicht erfolgreich ist, können solche Weine bei der nächsten Ernte umgegoren werden.

Gekühlte Gärung:
Ziel einer gekühlten Gärung ist ein kontrollierter Gärverlauf. Gleichmäßig und die Vermeidung von Temperaturspitzen. Hier wollen wir die Tätigkeit der Hefe zügeln, aber auch zum richtigen Zeitpunkt unterstützen. Grundsätzlich sollte eine ausreichend hohe Start- und Endtemperatur eingehalten werden. Dazwischen kann man auf niedrigerem Temperaturniveau gären. Es ist wichtig rechtzeitig die Kühlung zu beginnen, damit die Hauptgärung nicht durch zu starke Wärmeentwicklung unkontrollierbar wird.

Kühlung durch Berieselung der Tanks:
Die Anordnung der Kühlleitung ist bei stehenden Tanks ringförmig und bei liegenden Tanks längs angeordnet. Der Austritt des Wassers erfolgt durch einfache Bohrungen oder Sprühdüsen. Diese sind im Abstand von ca. 30-40cm angeordnet. Es ist wichtig, eine gute Verteilung der Bohrungen und Sprühdüsen zu haben, damit ein dünner Wasserfilm die ganze Oberfläche der Tanks bedeckt. Oberflächen, die fettig und unsauber sind, lassen das Wasser zu Bächen zusammen rinnen und senken die Kühlwirkung deutlich. Ein Liter Wasser entzieht ca. 2520 kj. Der Verbrauch liegt bei 0,25 Liter bis 1,1 Liter je Liter Most.
Die Einstellung der Temperatur kann im einfachsten Fall händisch (rechtzeitig!!) oder automatisch passieren. PC-vernetzte Anlagen erlauben auch Anzeichen des kompletten Gärverlaufs. Bei der Berieselungskühlung ist ein Auffangkanal notwendig, aber bei zunehmender Gärdauer wird die Kellerluft immer feuchter und die gefahr der Schimmelbildung und Rutschgefahr ist höher.

Kühlung mit Doppelmantel:
Hier wird die größtmögliche Kühlfläche angesprochen, es geht aber die Möglichkeit der Wärmeabstrahlung verloren. Je nach Bauart kann man die Tank wahlweise oben und unten kühlen.

Das Kühlmittel gibt die erreichbare Gärtemperatur vor:
Wasser ist die einfachste Variante. Jedoch ist Leitungswasser, wenn ausreichend verfügbar, sehr stark Jahreszeit- und witterungsabhängig. Mit einem Durchlaufkühler lässt sich die Wassertemperatur absenken, so ist jede gewünschte Gärvariante möglich. Bei einem Kaltwassersatz wird durch eine kleine Kühlanlage eine größere Wassermenge, zeitgerecht, heruntergekühlt. Diese kann den Spitzenbedarf abdecken. Durch diese Technik ist es möglich eine Kühlanlage mit kleinerer Leistung und kostengünstiger zu installieren.
Bei der Kühlsole, die unterschiedlich eingestuft wird (giftig, mindergiftig, ungiftig), sind dementsprechende Sicherheitsmaßnahmen notwendig. Damit sich die Kosten rechnen, muss diese Kühlmethode richtig ausgelastet sein und eignet sich eigentlich nur für Großbetriebe.

Kühlung mit innen liegenden Kühlflächen:
Diese Variante führt die Wärme durch im Behälter innen angebrachte, verschieden geformte Kühlplatten, Spiralkühler oder auch biegsame Metallschläuche ab. Diese können im Tank oder Fass fix montiert werden, aber auch hineingehängt werden. Es kann auch ein Durchlaufkühler angeschlossen werden, um das Wasser in einen Kreislauf zu führen, damit unter den Tanks kein Kanalsystem benötigt wird.

Maßnahmen bei Gärende:
Ist geplant den Wein “Sur Lie” auszubauen, sprich die Lagerung auf der Hefe, wird bereits in der Endgärphase umgezogen und weiter auf der sauberen Feinhefe gelagert. Es gilt aber zu beachten, dass die Hefe keinen Temperaturschock erleidet. Wenn die Gärung zu Ende ist, muss das Fass spundvoll gehalten werden. Kontrolle und Auffüllen sind notwendig. Durch regelmäßiges Probieren wird die qualitative Entwicklung des Weines geprüft und sichergestellt.


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Weißweinbereitung – Frische und Klarheit

Beim Weißwein steht die schnelle Verarbeitung im Vordergrund. Nach dem Abpressen werden die geklärten Moste temperaturgesteuert vergoren. Ziel ist ein frischer, fruchtbetonter Wein mit klarer Struktur.


Die Rotweinbereitung

Welchen Rotweintyp will ich haben:

Diese Entscheidung ist elementar für die gesamte Verarbeitung. Angefangen im Wengert bis zur Art und Dauer des Ausbaus. Viele Faktoren kommen hier zusammen.
Es stehen folgende charakteristika zur Auswahl:
- Jung trinkbar, fruchtbetont. sortentypisch, wenig Alkohol und Tannine
- Mittlere Trinkreife, voll, anständiger Gerbstoff (Tannine), erkennbares Sortenbukett
- Späte Trinkreife, komplex, langlebig, gerbstoff betont,


Bild von Aaron Doucett aus Unsplash


Grundvoraussetzung:
Qualität im Wengert ist das A und O !!! Mangelndes Ausgangsmaterial wird im Endprodukt augenfällig und schafft grundsätzlich Probleme. Daher ist es wichtig, gesundes Lesegut mit der gewünschten Reife zu erhalten.

Sortenauswahl:
Der Unterschied an Farbstoffen (Anthocyanen) und Farbtönen ist bei den einzelnen Sorten unterschiedlich. Sorten, die kleinbeerig sind, verfügen über mehr Schalenanteil und damit mehr Farbstoffe. Eine Sorte, die farbschwach ist, kann bei vollständiger physiologischer Reife ein gut zufriedenstellendes Ergebnis liefern.
Reife und Gesundheit:
Die Trauben sollen voll ausgereift sein. Die Farbstoffeinlagerung in die Beerenhaut und die Phenolreifung erfolgen relativ spät. Fäulnis muss vermieden werden da diese Farbschädigend ist. Daher ist die Traubengesundheit wichtig.

Dazu Tragen bei:
- Lage: Gute warme Lagen.
- Erziehung: In der Traubenzone begünstigen Luft und Licht, von August bis September die Aromen Farbbildung. Selbstverständlich auch zur Verhinderung von Fäulnis.
- Ertrag: Rebschnitt und Ausdünnung sorgen für rasche und völlige Reife.
- Lesezeitpunkt: Reifer Gerbstoff, maximale Farbe und Gesundheit haben Vorrang vor höchsten Zuckerwerten, selbst wenn diese auch wünschenswert sind. Lieber gesunde Trauben mit weniger Oechsle, als überreife Trauben ohne Charakter.
Das Prinzip der Rotweinbereitung::
In der Beerenschale sind, für den Rotwein wichtige, Polyphenole enthalten, die traditionell als Farb- und Gerbstoffe oder Tannine bezeichnet werden. Erst wenn die Zellen in der Haut zerstört werden, gehen diese Komponenten in den Saft über. Die Öffnung der Zellen kann durch Alkohol, Wärme oder Enzyme bewirkt werden. Durch rein mechanischen Zellaufschluss alle Phenole freizusetzen ist ökonomisch nicht sinnvoll und würde zu viel Feintrub erzeugen.

Grundsätzlich unterscheidet man:

  • Maischegärverfahren
  • Maischeerhitzungsverfahren
  • Spezielle Gärverfahren.


Maischebehandlung:
Die Grundvoraussetzung ist gesundes und gutes Traubenmaterial um hochwertige Rotwein zu machen. Je nach Zustand kommt der Einhaltung der Regeln zur Maischebehandlung besondere Bedeutung zu.

  • Temperieren: Die Gärung soll schnell einsetzen, um die vorhandene mikrobiologische Konkurrenz zu unterdrücken. Hierfür benötigt die Weinhefe eine entsprechende Wärme, damit Sie sich verzehren können. 18 ° C ist als Temperatur wünschenswert. Die Bottiche sollten auf Paletten gestellt werden, da durch Bodenkontakt viel Wärme verloren geht.
  • Zugabe von Reinzuchthefe: Wichtig ist schnelles Angären. Daher ist es günstig, Reinzuchthefe dazu zu geben. Spart nicht mit der Dosierung. Durch einer schnellen Start der Gärung wird gewährleistet, dass unsauberkeiten durch eine langsame und schleppende Angärung ausgeschaltet werden.
  • Schwefelung: Durch die Schwefelung werden Essigsäurebakterien und Oxidationsenzyme gehemmt, die von Anfang an eine Farbschädigung verursachen können. Die Dosierung sollte bei 30-50mg/L SO² liegen aber nicht höher um einen biologischen Säureabbau nicht zu behindern. Wenn man auf die Schwefelung verzichten möchte, muss das Traubengut in einem exzellenten Zustand sein und muss sofort angären.




  • Anreicherung: Hier lässt sich drüber streiten. Aber Grundsätzlich gilt: Zucker oder Most sollte von Anfang an der Gärung zugesetzt werden. So muss sich die Hefe nur einmal auf die neuen Verhältnisse anpassen. Auch trägt der Alkoholgehalt zur Farbstoffauslagerung bei. Es ist wichtig ausgereiftes Ausgangsmaterial zu verwenden, wenn durch ein Konzentrationsverfahren angereichert wird. Schließlich werden im anderen Fall nicht nur Zucker, sondern auch die unreifen Aromen verstärkt.
  • Enzymzusatz: Die Freisetzung der Farbstoffe aus den Zellen kann durch pektolytische Enzyme beschleunigt werden. Dies ist interessant, wenn relativ rasch abgepresst werden soll. Traubeneigene Enzyme erledigen dies bei einer langen Maischestandzeit.
    Die komplette Traubenverarbeitung ist darauf ausgerichtet, aus der Schale die Phenole zu extrahieren und in der Vinifizierung zu erhalten. Sie sind sehr reationsfreudige Substanzen, sodass beim Rebeln und Maischen bereits intensive Umsetzungen beginnen, die zum Abbau von Farbträgern genauso wie zu völliger Neubildung führen können. Das Lösungsverhalten der einzelnen Bestandteile ist unterschiedlich, deshalb muss darauf Rücksicht genommen werden, um den gewünschten Weincharakter zu erzielen. Farbstoffe sind bereits nach 3-5 Tagen ausgelaugt, dagegen nehmen Gerbstoffe (Tannine) über einen Zeitraum kontinuierlich zu.

Maischegärverfahren:

Da durch die Gärung CO₂ entsteht, schwimmt der Tresterhut auf und muss wieder in Kontat mit dem Most gebracht werden, um die Farb- und Gerbstoffe auslaugen. Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen:
Die offene Maischegärung mit händischen Unterstoßen ist die einfachste, aber verlustreichste Methode. Durch Abdecken können die Verdunstungsverluste von Alkohol und Aroma etwas gemildert werden.
Bei der geschlossenen Maischegärung ist der Verlust geringer, der Kontakt von Maische und Most kann durch Maischebewegung mittels mechanischer Verfahren, Umpumpen mit Überflutung oder Gasumwälzung erreicht werden.
Bei der Maischeerhitzung werden die Farbstoffe innerhalb kurzer Zeit freigesetzt. Der längere Maischekontakt wird somit vermieden und man kann auch Lesegut verwenden, dass nicht so gesund ist. Ob das jetzt qualitativ von Vorteil ist, lasse ich jetzt mal so stehen. Dieses Verfahren wird gerne in großen Betrieben eingesetzt, die sehr schnell sehr viel verarbeiten müssen.
Bei der Hochkurzzeiterhitzung wird das Lesegut für wenige Minuten auf 70 Grad erhitzt und dann auf Gärtempratur zurück gekühlt. Bei diesem Verfahren ist es erforderlich Hefen zuzugeben, da die eigenen Naturhefen zerstört werden.

Gärverfahren bei Rosé
Die Maische wird beim Rosé kurz stehen gelassen und baldig abgepresst. So gewinnt man Most mit wenig Gerbstoffen. Der Charakter ist frisch und die Farbe zart- bis dunkelrosa. Einen Braunton möchte keiner mehr haben.
Der Schiller, badisch Rotgold oder Rotling ist eine Spezialität, bei der rote und weiße Rebsorten miteinander verschnitten werden. Nicht willkürlich, je nach Anbaugebiet klar definiert.




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